Griechenland 4 – Eulen nach Athen

Griechenland 4 – Eulen nach Athen

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Eulen nach Athen wurde zu Euro nach Athen. Dieser Tage las ich den Satz, statt „Eulen“ „Euro nach Athen tragen“ – durch die Veränderung von wenigen Buchstaben ergibt sich jedoch eine Umkehr der alten Redensart. „Eulen nach Athen tragen“.

Eulen nach Athen

Eule aus Athen
Eulen nach Athen

Im antiken Athen stand die Stadt unter dem Schutz der Göttin Athene. Das Symbol von Athene war die Eule. So kam es, dass in Athen an vielen Stellen die Schutzheilige figürlich dargestellt wurde. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Münzen Athens auf der Rückseite das Bild einer Eule trugen. Der offizielle Name der Münzen lautete Drachme. (!) Die Drachme wurde im gesamten Mittelmeerraum genutzt und wegen ihres Silbergehalts auch wertgeschätzt./* Die Athener nannten diese Münzen aber liebevoll „Eulen“. Es gab also genug Eulen in Athen. Wurden damals Eulen nach Athen getragen, dann bedeutete das, sie kommen zurück, dorthin, woher sie stammen.

Euro mit Eule
Euro mit Eule

Anders verhält es sich mit dem Euro – da gibt es zu wenig, zumindest in Athen und in ganz Griechenland.
Laut Bund der Steuerzahler fließen derzeit täglich ca. 60 Mio. € nach Griechenland. Das sind in einem Monat ca. 1,8 Milliarden €. Zum Vergleich, die EZB wirft derzeit monatlich 60 Milliarden Euro in den (Finanz-)Markt.

In einem Kommentar meines Blogs wurde ich gefragt, was denn die Parlamentarier im griechischen Parlament in den letzten Jahren getan haben.

Tragödie vor dem Eurobeitritt

Nun, die Tragödie begann vor dem Eurobeitritt Griechenlands. Griechenland konnte die Beitrittskriterien aufgrund seiner Schulden nicht erfüllen, wollte aber gerne dem Euroraum beitreten. Da nahte ein Retter in der Not, die Investmentgesellschaft Goldman Sachs. Es gibt da unterschiedliche Darstellungen, wer da auf wen zugegangen ist. Fest steht aber, dass Goldman Sachs mit einem komplizierten Derivate-Swaps – einem hochspekulativen Geschäft, den Griechen „formal“ ein paar Milliarden Schulden abgenommen haben und somit der griechischen Regierung halfen, gegenüber der Europäischen Union die „Bilanzen zu schönen“.
Mehr dazu hier. 
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/39309/

Noch mehr Schulden durch diesen Deal

Wer sich schon einmal mit Goldman Sachs beschäftigt hat, der kann erahnen, wie dieser Deal für den griechischen Staat ausgegangen ist. Durch diesen Deal gelang es letztlich, die Schulden Griechenlands und die Gewinne von Goldman Sachs deutlich zu vermehren. Für diese Schulden sind nicht die „faulen Griechen“ schuld, sondern die damalige Regierung.

Das Parlament und die Parlamentarier

Gut, das griechische Parlament wurde vom Volk gewählt und dem Wahlausgang entsprechend wurde durch das Parlament die Regierung gebildet. Aber soweit möchte ich nicht gehen, darin eine Schuldzuweisung ans Volk zu sehen. Welche Informationen damals das griechische Parlament hatte, kann ich nicht feststellen. Der Deal musste geheim bleiben und die Regierung hatte sich gegenüber Goldman Sachs zur Geheimhaltung verpflichtet.
Seit dem ist in Griechenland mindestens dreimal oder öfter gewählt worden. Leider, so vermute ich, wird es in Griechenland kaum anders im Parlament zugehen, als bei uns – vielleicht lebhafter, ich glaube es gab mal vor Jahren Ansätze zu einer Schlägerei. Aber wie in vielen Parlamenten Europas, werden wohl auch die meisten griechischen Abgeordneten in ihrer Abstimmung ihren Fraktionsvorsitzenden folgen. Bei uns nennt man das Fraktionszwang.

Was mir in Erinnerung geblieben ist, ist die ständige Auseinandersetzung im Parlament zwischen dem Lager, das nun extrem sparen will um die Auflagen der Geldgeber (Troika) zu erfüllen und der anderen Seite, die nicht weiter das einfache Volk knebeln will, aber darüber hinaus Steuern eintreiben und Strukturen verändern will.

Die offensichtlichen Defizite, nämlich dort Steuern einzutreiben, wo was zu holen ist, sollen wohl jetzt angegangen werden. Aber darüber wird seit 2010 gesprochen. Und die Strukturen? Ich bin da skeptisch, ob Griechenland mitteleuropäische Strukturen wirklich will.

 /** um 400 v.Chr.fragte bereits der griechische Dichter Aristophanes in seiner Komödie „Die Vögel“. „Ich bitte, bringt man Eulen nach Athen?“ 

/* Die Stückelung hießen je nach Wert Drachme, Didrachme, Tetradrachme oder Dekadrachme.

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