Griechenland 3 – Pest oder Cholera

Griechenland 3 – Pest oder Cholera

 

Griechenland 3
Griechenland 3

Entwicklungshilfe

Griechenland erging es in den letzten Jahren nicht viel anders als so manchen Entwicklungsländern. Durch Auflagen der Geldgeber, EU, EZB und dem IWF wurde das Land verpflichtet, Reformen umzusetzen, die der Mentalität und den Strukturen der Griechen nicht unbedingt entsprachen. Das sehe ich wertfrei. Doch, wer zahlt bestimmt.

Die Institutionen

Die Troika, die nun nur noch als  “die Institutionen“ bezeichnet werden, hält an Auflagen gegenüber Athen fest. Bisher beinhalteten die Auflagen den Verkauf des „Tafelsilbers“. Dazu gehört z.B. der Verkauf der Häfen. Ich halte nichts davon, Infrastruktur zu privatisieren. Oft haben diejenigen, die diese Forderungen aufstellen, schon die Investoren im „Rucksack“ dabei. Doch was machen diese Investoren, wenn sich die Zeiten verändern und sich z.B. privatisierte Infrastruktur nicht mehr rechnet? Siehe dazu mein Beispiel Chile.

Die Verschuldung Griechenlands besteht heute weitgehend in der Währung Euro.

77 % Schuldendienst

Der Schuldendienst nimmt ca. 77 % der Hilfszahlungen in Anspruch. Das bedeutet, dieser Anteil geht direkt in den Finanzsektor. Beim Bürger im Land kann da nicht mehr viel ankommen.

D.h. der größte Teil der Hilfsleistungen der Geldgeber dient dazu, die Schulden Griechenlands bei den Banken, den eignen und den ausländischen Banken, zu tilgen – auch bei den deutschen Banken. Wie soll es da der Staat mit seinen Bürgern schaffen, diesen ständig wachsenden Schuldenberg zu tilgen?

Wenn Banken zahlungsunfähig werden, hat das Auswirkungen auf die gesamte europäische Wirtschaft und wahrscheinlich auch darüber hinaus. Hier sehe ich einen fatalen Systemfehler, der aber kurzfristig nicht zu korrigieren ist.

Pest oder Cholera

Somit ist heute jede Vorgehensweise eine „falsche“ Vorgehensweise – zumindest eine mit negativen Folgen. Nach den Meinungen der sogenannten Experten ist mal die eine und mal die andere Vorgehensweise falsch, mit allen Begründungen.

Wird Griechenland nicht weiter unterstützt, wird der Staat pleite gehen. Ob und wann dann die Gläubigerbanken ihre Forderungen zurückerhalten, ist kaum seriös vorherzusagen. Vielleicht wäre das das „Ende mit Schrecken “.

Wird weiteres Geld nach Griechenland und somit wieder zu den Gläubigerbanken verbracht, wird dieser Zeitpunkt der Pleite noch weiter hinausgeschoben. Die Banken können zunächst befriedigt werden, das Volk leidet weiter. Der Schuldenberg wächst. Das halte ich für den „Schrecken ohne Ende“.

Ist das noch die Alternative zwischen Pest und Cholera?

Ende mit Schrecken
Ende mit Schrecken

In den letzten zehn Tagen konnten wir die wundersame Wandlung von Bundesfinanzminister Schäuble miterleben. Von zunächst schroffer Ablehnung einer Lockerung gegenüber Griechenland, „Griechenland muss sich an die Vereinbarungen halten“,  bis zum Verfechter einer Zustimmung für die Entscheidung im Bundestag – mit etwa den Worten „ innerhalb Europas müssen wir solidarisch sein.“

Nun hat sich Europa in dieser Woche (25.02.2015) und gestern der deutsche Bundestag (27.02.2015) für die Cholera entschieden. Na egal. Je mehr Geld in diese Situation gepumpt wird, desto größer wird der Schuldenberg Griechenlands. Je größer der Schuldenberg, desto größer werden bzw. desto länger dauern die Zahlungen Griechenlands in den Finanzsektor.

Manche Fachleute sprechen davon, dass die Schulden Griechenlands so oder so abgeschrieben werden müssen.

Wenn ich darüber nachdenke, wäre die Entscheidung für die Pest vielleicht doch besser gewesen.  Wer weiß das schon wirklich?

 Solidarität

In der alten Bundesrepublik gab es Regionen die wirtschaftlich schwach waren und deshalb finanzielle Unterstützung erhielten – sowohl aus Bundes- als auch aus EU Mitteln – z.B. Zonenrandgebiete. In diesem Fall schien Solidarität selbstverständlich. Es war und ist ein Teil Deutschlands.

Innerhalb der Europäischen Union fällt diese Solidarität noch schwer. Das liegt sicher zum Teil daran, dass jedes Land doch noch seine Eigenständigkeit behält und nur einen Teil der Zuständigkeiten an die EU abgegeben hat.  Wir erleben ja laufend die Rangeleien auf der Ebene der Regierungschefs um Regelungen und Ausnahmen für diese und jene Länder.

europäische Solidarität
europäische Solidarität

Sehr wahrscheinlich sind wir Europäer aber auch noch nicht reif dafür, Europa als Ganzes und als Bereicherung zu sehen, als unsere Heimatregion, mit vielfältigen Facetten, Kulturen und Mentalitäten.

Lies auch:
Griechenland 1 – Demosthenes und Asterix
Griechenland 2 – Fehler des Euro

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