Europa

Europa

 Europa
Europa

Was ist aus dir geworden, Europa? Deine Entwicklung nach der europäischen Katastrophe des zweiten Weltkriegs habe ich mitverfolgt. In den fünfziger Jahren begann die positive Entwicklung. Die Annäherung von Frankreich und Deutschland durch De Gaulle und Adenauer. Die 1952 gegründete Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die Römischen Verträge 1957 und somit der Start der Europäischen Wirtschafts- Gemeinschaft 1958. Im Jahr 1967 dann die Zusammenlegung von EWG, die Euratom und die EGKS zur EG als Europäische Gemeinschaft.

Charles de Gaulle
Charles de Gaulle

Mehr als zehn Jahre dauerte das Gerangel um den Beitritt Großbritanniens, der dann 1973 gemeinsam mit Irland und Dänemark erfolgte. England hatte schon damals Sonderbedingungen durchgesetzt. Charles de Gaulle war immer gegen einen Beitritt Großbritanniens, die deutschen Kanzler warben um die Mitgliedschaft

der Briten – sie mussten warten, bis de Gaulle 1970 starb.

Ein Beitrag des Spiegel von 1967  (Link zeitweise nicht aktiv)

Charles ee Gaulle

Ein Rückblick der Zeit aus 2013

Es gab weitere Beitrittstermine, in den Jahren 1981 und 1986 für Griechenland und Spanien und Portugal.

Mit dem Vertrag von Maastricht entstand die Europäische Union, die schließlich 1995 mit dem Vertrag von Schengen den sogenannten Schengen Raum schuf – ein freier Raum für Personen- und Warenverkehr. Es erfolgten Erweiterungen um weitere Länder, besonders nach dem Ende des kalten Krieges, nach dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands.

Alles habe ich miterlebt, vieles habe ich interessiert mitverfolgt. Grenzkontrollen bei der Einreise in Nachbarländer, aber auch die Grenzöffnungen und das Abmontieren der Schlagbäume sind mir noch gut in Erinnerung. Vielfach, auf Nebenstrecken, gab es keine Anzeichen mehr dafür, die Landesgrenze überschritten zu haben. Auf Hauptstraßen und Autobahnen reichte ein Willkommenschild. Es wurde zu einem guten Gefühl, sich innerhalb Europas ohne spürbare Grenzen bewegen zu können.

Zur Einführung des Euro als Buchgeld 1999 habe ich mit meinen Möglichkeiten mitgewirkt. Ein Europäisches Automobil Fabrikat hat in Schulungsveranstaltungen seine Händler in Europa nach einheitlichem Konzept auf diese Einführung vorbereitet. Als Seminarleiter durfte ich dabei innerhalb Deutschlands mitwirken. Wir verteilten damals Euro-Taschenrechner mit einer Taste für die Umrechnung von DM in Euro. Eins Komma neun fünf fünf acht drei, das war der festlegte Umrechnungskurs von Deutscher Mark in Euro. Dieser Wert brannte sich damals so fest in meinem Kopf ein, dass ich ihn zu jeder Zeit sofort aufsagen kann.

In Sonntagsreden wurde viel von der Wertegemeinschaft Europa gefaselt. Freiheit, Solidarität, Demokratie, Menschenrechte, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung freier Handel, Niederlassungsfreiheit – diese und weitere Begriffe wurden gebetsmühlenartig beschworen. Es waren die Werte, die es zu verteidigen galt. Christliches Abendland – auch ein Begriff der auf Werte hinweisen sollte.

Doch was ist jetzt los in Europa?

Sind hundert Jahre ein zu langer Zeitraum, um sich zu erinnern? Entwickeln sich Europa und andere Regionen zurück in die ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts?

Wohin Nationalismus und Fremdenhass geführt haben, ist doch leicht nachzulesen. Wollen wir die dumpfe Zeit der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wiederholen?

Was erwarten sich die Menschen davon, den Rattenfängern nachzulaufen, die die Zusammenhänge der Welt und Europas so versimpeln und vereinfachen?

Wir sägen an dem Ast auf dem wir alle sitzen. Die Welt ist enger zusammengewachsen. Schnelle Verkehrsverbindungen haben internationale Kontakte leichter ermöglicht. Menschen aus sehr unterschiedlichen Regionen unseres Globus haben sich kennen, schätzen und lieben gelernt. Die Wirtschaft ist global geworden. Alles hängt mit allem zusammen. Und nun? Soll das alles wieder gekappt werden, nur weil die Kleinkarierten, Engstirnigen und Rassisten den Figuren nachlaufen, die ohne Verantwortung, ihre gerade erst entdeckte Macht ausüben und mehren? 

Ja, auch ich habe manches auszusetzen an der betriebenen Politik und den handelnden Personen in Deutschland und in Europa. Aber das was ich auszusetzen habe unterscheidet sich krass von den dumpfen Parolen der Neuen Nationalisten.

Flüchtlinge nach Europa
Flüchtlinge nach Europa

Die Menge der Flüchtlinge, die nach Europa wollten, hat es zutage gefördert. Es gibt keine Wertegemeinschaft in Europa – vielleicht gab es die noch nie. In Frankreich, den Niederlanden, in Großbritannien, Österreich und auch in Deutschland formieren sich Gruppierungen, die sich als politisch bezeichnen, ich aber für populistisch halte. In Dänemark, Polen, Ungarn, Tschechien und weiteren Ländern wurden Parteien an die Regierung gewählt, die bereits systematisch versuchen, europäische Werte wieder abzuschaffen. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, die Gemeinschaft nur als Zahlmeister ihrer Projekte zu nutzen, ohne wirkliche Gegenleistung. Schmarotzer ist wohl der richtige Begriff dafür.

In Kürze geht es weiter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.