Christliches Mittelmeer

Politisches taktieren

 

Christliches Mittelmeer
Christliches Mittelmeer

In den letzten Wochen häufen ich die Berichte über die schrecklichen Ereignisse auf den überfüllten Flüchtlingsbooten im Mittelmeer.

Mich ärgert das Taktieren unserer europäischen Politiker. Da werden Konferenzen abgehalten um danach die üblichen Allgemeinplätze zu veröffentlichen.

„Wir sehen uns zum Handeln aufgefordert.“ „Wir können ja nicht alle aufnehmen.“ „Wer soll denn die Kosten tragen?“ Wir sind nicht für die Situation in Afrika verantwortlich.“

 Sonntagsreden

In Sonntagsreden hören wir immer wieder die schönen Begriffe „Wertegesellschaft“. Welche Werte vertreten wir denn in unserer Gesellschaft? Wir sprechen gerne vom Christlichen Abendland. Ist das noch „christliches“ Verhalten, das wir Europäer derzeit zeigen? Wir haben politische Parteien, die sich christlich nennen und ein großes „C“ in ihrer Kurzbezeichnung tragen. Ist das sozial? Auch Parteien die ein großes „S“ in ihrem Namen tragen frage ich das.

 Schuld

Sicher, die Frage nach der Schuld ist ja berechtigt. Doch an erster Stelle müsste meiner Meinung nach die Rettung der Menschen stehen.

Wenn wir die Geschichte Afrikas mal genauer betrachten, finden wir durchaus auch Ansätze für ein wenig Mitverantwortung der Europäer für die Situation. Ich will hier nicht die Details des Kolonialismus, des Welthandels und des Währungssystems ausbreiten.
Doch auch in jüngerer Zeit hat Europa schnell gehandelt, als es darum ging, z.B. in Libyen militärisch einzugreifen, Waffen zu liefern und mehr. Nicht dass ich hier den Exdiktator Muammar al-Gaddafi verteidigen will. Nur, die Destabilisierung der Region wurde durch das Eingreifen der Europäer beschleunigt. Und gerade Libyen ist heute das Land, von dem aus die meisten Boote zur Fahrt in den Tod geschickt werden.

Aber es geht ja bei den Flüchtlingen nicht nur um Afrikaner, sondern auch um Menschen aus Ländern wie z.B. Syrien.

 Christliches Abendland

Da gibt es Leute, die sorgen sich um das Abendland, weil Flüchtlinge hier herkommen. Der Begriff Wirtschaftsflüchtlinge ist eine Verzerrung der Realität.

Menschen, die Hunger, Folter und Mord ausgesetzt sind, fliehen, um ihr Leben zu retten. Im letzten Jahrhundert sind viele Deutsche aus Deutschland geflohen – ist das schon zu lange her um sich daran zu erinnern? Da gab es Staaten, die diese Menschen aufgenommen hatten.

Wir haben in europäischen Häfen sicher auch einige ausrangierte alte Boote und Schiffe, in gleichem Zustand wie die Flüchtlingsboote. Vielleicht will jemand den Flüchtlingen zur Rettung des Abendlandes damit entgegenrudern?

 Eigeninitiative

Jenseits von Zynismus bewundere ich die Initiative von Harald Höppner mit vielen anderen freiwilligen und seiner Aktion Sea-Watch. Er hat ein altes ausrangiertes Schiff gekauft und rüstet es für private Rettungsaktionen im Mittelmeer um. Es soll bald losgehen.
http://www.stern.de/tv/sterntv/privat-initiative-sea-watch-kutter-soll-rettungsboot-fuer-fluechtlinge-werden-2180747.html

Außerdem stimme ich Herrn Rupert Neudeck, Mitgründer des Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte e.V. Projektes zu. Damals ging es um die Rettung der sogenannten „Boatpeole“ im Bereich des Vietnamesischen Meers.

Herr Neudeck sprach vor wenigen Tagen im Fernsehen von der Rückkehr zum Prinzip „Mare Nostrum.“ Das wurde ausschließlich von der italienischen Marine und Küstenwache durchgeführt und finanziert. Herr Neudeck schlug vor, dass z.B. nun auch mal die deutsche Marine dort eine Weile lang zum Einsatz kommen könnte – und danach können sich ja auch weitere EU Staaten nacheinander ablösen.

Politik bewegt sich zäh

Nun, seit ca. einer Woche bewegt sich etwas. Aus der Politik kommen zum Teil abenteuerliche Vorschläge. Bemerkenswert fand ich den Vorschlag, die Fischerboote z.B. in Libyen kurz nach dem auslaufen, zu zerstören. Wie das gehen soll und was dann aus den Flüchtlingen wird, drang leider nicht bis an meine Ohren.

Der Geldbetrag, der für die „Rettung“ der Flüchtlinge ausgegeben wurde, wurde nun mal schnell verdreifacht. Das System wurde aber beibehalten. „Gefischt“ wird nach wie vor nur an der Küsten der Europäischen Union – und nicht wie bei „Mare Nostrum, dicht vor den Küsten Afrikas.“

Alternativlos

Die Bankenrettung vor einigen Jahren galt als alternativlos. Sie kostete viel Geld und wurde quasi über Nacht umgesetzt. (Auch die Rettung Griechenlands war in Wirklichkeit eine Bankenrettung. Die beschäftigt uns jedoch länger, weil dem Volk vorgegaukelt wurde, es gehe um Griechenland.)

Menschenrettung scheint nicht so alternativlos zu sein. Jedenfalls habe ich diesen Begriff im Zusammenhang mit der Rettung von Flüchtlingen nicht gehört.

Da kommen bei mir viele Fragen auf. Oft hören wir, es sei kein Geld da. Warum eigentlich nicht?

Das Thema wird uns noch weiterhin beschäftigen.
Doch genug für heute.

In einem weiteren Beitrag werde ich auch auf das Thema „Einwanderung“ und Bevölkerungsgröße eingehen.

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